Interview mit Karin Greiner – Die verblüffende Energie der Pflanzen

Karin Greiner muss ein Allround- und Organisationstalent sein: Autorin, Kursgeberin für angehende Kräuterpädagogen und Natur-Coaches, Betreiberin des Pflanzenlust-Blog, Gastgeberin des Küchen-Rendezvous, Pflanzen-Spezialistin für den Radiosender BR1 und Expertin für Wildkräuterwanderungen.

Wir freuen uns sehr darüber, dass uns Frau Greiner für ein Interview zur Verfügung steht.

Interview mit Karin Greiner über ihr Leben mit Pflanzen, gesunde Ernährung, grüne Smoothies, Wildkräuter im Herbst und viele Tipps!

Smoothie-mixer.de: Frau Greiner, Ihre Leidenschaft scheinen definitiv die Pflanzen zu sein. War es Liebe auf den ersten Blick?

Karin Greiner

Karin Greiner, Pflanzen-Expertin, verrät uns zahlreiche Tipps für eine gesunde Ernährung mit Wildpflanzen im Herbst und Winter

Karin Greiner: Absolut! Die Liebe schon in Kindheitstagen. Die Pflanzen interessieren mich wirklich von klein auf. Ich stamme aus einer Apotheke, wo die Kunst mit Pflanzen zu heilen besonders hochgehalten und gepflegt worden ist. Immer schon bin ich in die Natur hinausgegangen und auch geschickt worden, um Pflanzen zu sammeln. Deswegen habe ich recht frühzeitig viele Kenntnisse erworben, was denn was ist und was man da verwenden kann. Es war für mich immer eine riesige Freude, einfach unter freiem Himmel mitten im Grünen zu sein, was zu suchen, was zu finden. Die Düfte, die Aromen einzuatmen. Die Pflanzen in den Fingern zu haben, zu kosten und dann auch zu verarbeiten.

Wie hoch ist Ihr täglicher Zeitanteil in Verbindung mit Pflanzen?

Karin Greiner: Ach, schwer zu sagen. Bestimmt 80 bis 90%. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht mit Pflanzen zu tun habe.

Sie schreiben Bücher, sind im Radio zu hören, geben Kurse und vieles mehr. Wo nehmen Sie die Energie für diese zahlreichen Aufgaben her?

Karin Greiner: Na woher wohl? Aus den Pflanzen! Pflanzen sind auch den ganzen Tag beschäftigt. Jahrein, jahraus, klaglos und unermüdlich, und deren Energie hilft mir. Ich mache es ihnen einfach nach. Ich gebe nicht auf, sondern ich erfreue mich an ihnen. Vor allem die Freude an dem Grün, an dem Bund, an den Düften, Geschmäckern, an dem was man da täglich auch nach vielen, vielen Jahren immer wieder neu entdecken kann. Das ist so viel Energie, so viel kann ich eigentlich gar nicht verbrauchen.

Wie ernähren Sie sich?

Grüner Smoothie mit Brennnesseln zu einer Pilzpfanne

Grüne Smoothies einmal anders: Brennnessel-Smoothie in Kombination mit einer Pilzpfanne

Karin Greiner: Ich bin Flexitarier. Ich versuche mich in erster Linie von Pflanzen zu ernähren, habe aber nichts gegen ein schönes Stück Bio-Fleisch. Ich habe sehr viele Wildpflanzen im täglichen Essen mit drin, wenn ich mich auch nicht ausschließlich von Wildpflanzen ernähre. Das würde ich auch gar nicht schaffen, es wäre das für den Körper auch nicht gut. Wir sind gar nicht mehr gewöhnt, Wildpflanzen, so dicht gepackt mit Mineralien, Vitaminen und Vitalstoffen in größeren Mengen zu verdauen.

Also esse ich so bunt wie möglich, so vielfältig wie möglich, ich probiere unglaublich gerne immer wieder neue Sachen aus, sonst wird das Essen langweilig. Ich strebe danach, das Ganze saisonal und regional zu machen. Ich kaufe das Gemüse direkt hier beim örtlichen Bauern, frisch vom Feld geerntet. Das, was es aktuell gibt, und ergänze das mit Wildkräutern oder wilden Früchten, die ich finde.

Gestern war astronomischer Herbstanfang. Welche Auswirkungen hat das auf Ihren Speiseplan oder was bedeutet das nun generell für uns und unsere Pflanzen?

Wildfrüchte

Herbst-Tipp: Wildfrüchte mit hohem Vitamin-C-Gehalt

Karin Greiner: Der Kalender spielt da erst mal nicht so die große Rolle. Mir geht’s nach den Zeichen der Natur. Ich nehme das, was mir die Natur gerade bietet. Herbst die Zeit des Erntens. Jetzt kann man in der Fülle der bunten Früchte schwelgen. Wildfrüchte spielen jetzt gerade eine besonders große Rolle. Hagebutten mit ihren ungeheuren Vitamin C-Gehalt, Holunderbeeren mit ihren dunklen Farbstoffen. Wilde Äpfelchen habe ich gerade gefunden, auf die freue ich mich jetzt, um einen wunderbaren Saft und ein Gelee für den Winter einzukochen. Erstaunlich, was jetzt noch so draußen steht und gedeiht. Der Beifuß ist eines meiner Lieblings-Gewürzkräuter für die Herbstzeit. Passt perfekt zu den Kartoffeln, wenn die jetzt auf dem Tisch dampfen, weil man in Zeiten, wo es allmählich kälter wird, wieder etwas Warmes für den Magen braucht.

Meine Leidenschaft in Verbindung mit Grünen Smoothies sind besonders die Wildkräuter. Trinken Sie auch Smoothies?

Kartoffelschnee grün gefärbt mit einem Wildkräuter-Smoothie

Kartoffelschnee grün gefärbt mit einem Wildkräuter-Smoothie

Karin Greiner: Ab und zu, nicht täglich. Mir ist was Handfestes oft lieber. Aber trotzdem nutze ich die Smoothies und genieße die immer wieder mal. Ich experimentiere gerne, nutze Smoothies auch mal unkonventionell als Salatsauce oder anstelle eines Pestos. Oftmals ist ein Smoothie eine ganz willkommene Gelegenheit, wenn ich nicht viel Zeit habe. Dann dient der als schnelle Mahlzeit zwischendurch.

Auf unserer Seite smoothie-mixer.de stellen wir die besten Mixer vor. Darf ich fragen, ob und welchen Mixer Sie zu Hause verwenden?

Karin Greiner: Ich habe aktuell einen kleinen Personal Blender. Ich weiß gar nicht genau wie das Modell heißt, ich glaube eines von Tribest. Der Mixer taugt mir im Moment richtig gut. Wobei ich schon mehrere Mixer ausprobiert habe und mit einem größeren Gerät liebäugle. Ich kann mich noch nicht so richtig entscheiden. Will ich mir wirklich ein teures Gerät anschaffen oder doch besser zur Mittelklasse greifen? Aber ein neuer Mixer ist die nächste Anschaffung, die bei mir ansteht. Ihre Seite wird mir ganz sicher dabei sehr helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Merken Sie durch den aktuellen Smoothie-Boom in Ihren Kursen und Wildkräuter-Wanderungen ein gesteigertes Interesse an der Natur und Ihrer Pflanzenwelt?

Karin Greiner: Ob das mit dem Smoothie-Boom so direkt zusammenhängt kann ich nicht beurteilen, aber das Interesse an den Wildkräutern steigt und steigt. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es eine derartig breite Zustimmung findet und dass sich so viele Leute dafür interessieren. Die Smoothies sind vielleicht einer der großen Förderer der ganzen Geschichte, weil es eine elegante Möglichkeit ist, die Wildkräuter in einer sehr modernen und eleganten Variante auf den Tisch zu bringen. In den Kursen merke ich den Boom nach Smoothies tatsächlich. Es gibt Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die einfach wissen wollen, wie sie ihre Smoothies mit Wildkräutern ganz speziell nochmals aufpeppen können. Weil ihnen die Kenntnisse fehlen, besuchen sie dann einen Kurs, lernen viel über Wildkräuter und sind sehr dankbar dafür.

Welche alternativen Gerichte neben Grünen Smoothies kann man mit Wildkräutern zubereiten? Haben Sie hier Tipps für uns?

Brennnesselspinat mit Fingernudeln

Brennnessel-Spinat mit Fingernudeln

Karin Greiner: Ja, jede Menge. Alles was man so aus der normalen Küche kennt, kann man auch mit Wildkräutern zubereiten. Der Trick dabei ist immer langsam anzufangen. Also nicht tagelang nur ein Wildkraut in großen Mengen verwenden, sondern erst mal hier und da ein paar Blättchen probieren. Und dann kreativ sein und die, die einem gut schmecken, ins tägliche Essen integrieren. So wird aus einer ganz normalen vegetarischen Lasagne mal eine Wildkräuter-Lasagne. Das heißt etwa, die Füllung besteht zuerst nur aus Spinat, dann kommen Brennnesseln dazu, schließlich mehr und mehr Wildkräuter. Das lässt sich x-Mal abwandeln. Man braucht keine extra Rezepte. Wildkräuter lassen sich überall und immer mit verwenden.

Welche 3 Wildkräuter-Arten empfehlen Sie uns aktuell besonders?

Gänsefuss_Pflanzerl_Pesto-rosso_Guacamole_Auberginencreme

Eine phantastische Kombi: Gänsefuss-Pflanzerl mit Pesto, Guacamole und Auberginencreme

Karin Greiner: Beifuß als Gewürz! Das ist ein wunderbares Gewürz. Einfach mal kurz in etwas Pflanzenöl braten, wie Chips ausbacken. Eine ganz wunderbare Geschichte. Dann fällt mir noch der Weiße Gänsefuß ein. Den gibt es in großen Mengen und der lässt sich super integrieren. Er hat auch einen relativ milden Geschmack. Und was gerade wieder kommt, sind frische Brennnesseln. Nach dem trockenen Sommer haben die ziemlich gedarbt. Nachdem es wieder feuchter wird, schieben sie nochmals nach. Und ehrlich gesagt, so frische Brennnessel-Spitzen sind unerreicht zum Essen.

Apropos Brennnessel, ich habe einmal eine Aussage von Ihnen gelesen, dass Brennnesseln ein Konkurrenzprodukt von Viagra sein sollen. Stimmt das? 😉

Brennnesseln - grünes Viagra

Brennnessel – das „Grüne Viagra“ 😉

Karin Greiner: *Langes, lautes Lachen* (Anm. der. Red.). Ja, das sind die Früchte. Ich erzähle da nur nach, was man seit Urzeiten weiß, nachweisen lässt sich das bislang nicht. Bewiesen ist, dass die Früchte der Brennnesseln, also diese kleinen kantigen Nüsschen, die es auch gerade in großer Menge gibt und die sehr gut schmecken – fein nussig – sehr viel kräftigende Inhaltsstoffe enthalten, u.a. auch Stoffe die hormonartig wirken. Und seit der Antike ist überliefert, dass das das Potenzmittel schlechthin ist. Ein Aphrodisiakum – insbesondere für den Mann! Warum denn nicht ausprobieren? *Erneut langes, lautes Lachen* (Anm. der. Red.). Daher gelten Brennnesseln als „grünes Viagra“. Wobei die antiken Autoren von Viagra natürlich noch nichts wussten. Aber die Interessen waren bereits gleich 😉

Im Winter dürfte es aber grundsätzlich schwieriger werden Wildkräuter zu sammeln. Lagern Sie diese dann vorrätig?

Wegwartenwurzel

Wegwartenwurzeln im Winter

Karin Greiner: Ich habe schon einen gewissen Vorrat an Wildkräutern, zum Beispiel eine große und breite Palette an getrockneten Wildkräutern, die entweder zu Tee oder zu gehaltvollen Brühen aufgegossen werden. Zudem habe ich Wildkräuter, die getrocknet zu Mehl verarbeitet werden und dann im Essen mit eingerührt werden. Das ist übrigens eine ganz tolle Möglichkeit, das in einen Smoothie zu packen. Da hat man die Kraft der Wildkräuter vom Sommer dann auch im Winter im Smoothie drin. Es gibt aber auch einige Wildkräuterarten, die man im Winter sammeln kann. Ich bin also nie ohne. Vogelmiere zum Beispiel. Die wächst sogar unterm Schnee. Die habe ich auch im Gewächshaus, da ist sie immer zu ernten. Auch Brennnesseln bekommt man unter der Laubdecke an einer Hecke, wenn man weiß wo die stehen – immer ganz frisch. Ernte ist fast das ganze Jahr über möglich. Und, nicht zu vergessen die vielen wilden Wurzeln. Die sind ja typischerweise für den Winter da und die findet man auch immer wieder – wenn man weiß wo.

Was halten Sie ersatzweise von Wildkräuter-Pulver oder sogar vorrätig eingefrorenen Wildkräuter-Eiswürfeln, die im Winter gemixt werden können?

Ein Beifuß-Kartoffel-Walnuss-Brot

Wildkräuter als Begleitmittel beim Brot-Backen

Karin Greiner: Das ist besser als nichts! Das Wildkräuter-Pulver ist eigentlich eine uralte Geschichte. Früher hatten die Menschen das schon immer als Vorrat im Haus. Es ist eine ganz einfache Möglichkeit. Bleiben wir bei den Brennnesseln: Brennnesseln trocknen und dann kräftig mixen – dafür ist ein Smoothie-Mixer ganz toll geeignet, weil er das durch seine Power so gut kleinkriegt – dann durchsieben, so erhält man ein feines grünes Pulver. Das ist jetzt natürlich nicht ganz die frische Brennnessel, aber immerhin. Das Pulver kann ich löffelweise in Speisen mit reingeben. Wunderbar wie ein Gewürz zu verwenden oder auch als Begleitmittel zum Backen im Brot.

Auch Einfrieren ist eine gute Konservierungsmethode. Mit Gartenkräutern ist das durchaus üblich. Warum denn nicht auch mit Wildkräutern! Ich habe immer welche in Vorrat. Spitzwegerich etwa lässt sich gut einfrieren.

Das freut mich zu hören. Dann müssen wir uns also keine Sorgen machen wegen der kalten Jahreszeit.    

Gefrorener Smoothie in Würfelform

Im Winter können die eingefrorenen grünen Smoothies mit Wildkräutern in praktischer Würfel-Form wieder gemixt werden

Karin Greiner: Nein, überhaupt nicht. Wenn man die Wildkräuter mit etwas Wasser aufmixt und als Smoothie zubereitet, dann lässt sich auch das super einfrieren und später wieder weiterverarbeiten. Das ist eine sehr hochwertige Praxis, um die Wildkräuter den ganzen Winter durch zu nutzen.

Wann verraten Sie uns wieder Pflanzentipps im Radio auf BR1?

Karin Greiner: Jeden Samstag. Einmal um 08:15 Uhr und einmal um 13:15 Uhr. Unter den vielen Themen sind übrigens oft auch Wildkräuter und Wildfrüchte.

Liebe Frau Greiner, ich danke Ihnen sehr für das spannende und ausführliche Interview!

Weitere Informationen über Karin Greiner und alles rund um Pflanzen erfahren Sie im Pflanzenlust-Blog.

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